Wem helfen wir?
Wirkliche Geschichten über erfüllte Wünsche
Die Geschichten der Nepalesen, denen das Projekt Hug the World die Chance gibt das Leben zu ändern, erinnern uns eher an einen Abenteuerroman oder ein Drehbuch eines Hollywoodfilmes, als an die Wirklichkeit. Lesen Sie zwei von denen, die den Beweis darstellen, dass auf der Welt Sachen passieren, die sich keiner von uns vorstellen kann. Und diejenigen, die sie erlebten, lachen immer noch fröhlich und verlieren keine Hoffnung. Vielleicht sollten wir uns ein Beispiel an ihnen nehmen…
Sanjay Lama
Wenn sie im nepalesischen Dorf Pudi Ghyang einen Dolmetscher suchen, fragen Sie nach dem kleinen Sanjay aus der fünften Klasse. Er ist elf und auf den ersten Blick unterscheidet er sich von den anderen Schülern in den schmuddeligen Uniformen gar nicht. Morgens steht er ganz früh, noch vor dem Sonnenaufgang auf, und arbeitet auf dem Feld. Dann trink er Tee mit Milch und geht zur Schule, wo er es mit einer Orange bis drei Uhr nachmittags schafft. Zu Hause erwartet ihn Reis und wieder Arbeit. So verläuft ein Tag nach dem anderen…

Trotzdem fällt Sanjay auf. Englisch kann er am besten aus dem ganzen Dorf – den hiesigen Englischlehrer nicht ausgenommen. Ein Rätsel ist, wie er das in solcher Umgebung geschafft hat. Die überdurchschnittliche Ausbildung verdankt er nicht „nur“ der Intelligenz, Wissbegier und dem Scharfsinn. Als er klein war, verbrachte er ein paar Jahre auf der Privatschule in Káthmándú, wo ihn zuerst die Urgroßeltern unterstützten und dann irgendein Alex aus dem Westen. Es ist eine wirklich geheimnisvolle Gestallt, weil sich die Familie nicht einmal daran erinnern kann, ob er ein Amerikaner oder Europäer war, geschweige denn aus welchem Land er kam. Wichtig ist, dass sich die Freundschaft mit dem kleinen Sanjay als äußerst verdächtigt erwies. Der Junge, der in der Hauptstadt bei seiner Oma wohnte, kam sehr oft in der Nacht nach Hause zurück – und bis heute will er niemandem sagen, wo er war und was er genau machte. Jener Alex bot ihm schließlich an ihn mit zu ihm nach Hause zu nehmen. Das verboten Sanjay`s vorsichtige Eltern vor Angst, dass ihr Kind für Organe verkauft wird und holten ihn nach Hause. Vielleicht haben sie ihn gerettet – andererseits landete er wieder im Dorf, unter den Feldern und ohne Geld, wo die Schule so schlecht ist, dass er eher den Lehrer unterrichten könnte als umgekehrt.
Wie hängt Sanjays Geschichte mit Hug the World zusammen? Sanjay war einer der Schüler in der Staatsschule in Pudi Ghyang, wo im Jahr 2009 Michaela „Mysha“ Košťálová als Freiwillige Englisch unterrichtete. In zwei Monaten verbesserte sich Sanjays Englisch wesentlich (am Anfang war er fähig nur die Grundfragen zu beantworten, heute mit etwas Geduld können Sie ihm praktisch alles erklären, obwohl er mit Sprechen immer noch Schwierigkeiten hat). Jetzt besucht er mit seinen Freunden aus der Dorfschule Sanju Lama und Binou Tamang die Privatschule Reed Model School in Káthmándú.
Dipak Raut
Wenn er in Tschechien geboren worden wäre, würde er wahrscheinlich Geografie studieren, in der Freizeit als Model jobben und großes Geld verdienen. Er hat schwarze Augen, langes Haar in einen Pferdeschwanz gebunden und eine einzige zerlumpte Jeans. Sein schmaler muskulöser Körper bezeugt das schwere Leben jedes Khalasis – wie die Schaffner in den nepalesischen Bussen heißen. Sie frühstücken ein Glas Tee und eine billige Zigarette, zu Abend bekommen sie einen Berg Reis mit etwas Soße vom Fleisch. Aber von Bewegung haben sie mehr als genug! Sie laufen aus dem Bus die Maut zu zahlen, treiben weitere Fahrgäste zu, während der Fahrt klettern sie aufs Dach und nehmen das Geld ein, laden das Gepäck auf und aus, an den Haltestellen putzen sie Fenster und wenn es jemandem schlecht wird, halten sie ihn in den Armen aus der Bustür gelehnt, damit er sich während der Fahrt erbrechen kann. Die meisten Nächte verbringen die Khalasis in Bussen, manchmal schlafen sie an den Bahnhöfen und wenn alles gut läuft, zahlt der Arbeitsgeber ein gemeinsames Zimmer in einer billigen Herberge. Als Lohn bekommen sie umgerechnet ca. 40 Euro pro Monat.

Dipak ist an dem von Urin stinkenden Busbahnhof einer der ärmsten. Das meiste Geld schickt er seiner Tante, die sich um seinen jüngeren Bruder kümmert, und so bleiben ihm fürs Leben ca. 7 Euro pro Monat. Seinen Besitz bilden der Rucksack, ein paar Stück billiger Bijouterie, Schuhe und Kleidung, die er tags und nachts anhat. An den Vater erinnert er sich nicht – der ging nach Indien arbeiten, als er noch ein kleiner Junge war und kehrte nie zurück. Die Mutter verschwand mit dem neuen Ehemann. Auf der ganzen Geschichte ist am seltsamsten die Tatsache, wie Dipak zu den Bussen kam. Bis er elf war, war er ein gewöhnlicher nepalesischer Schüler, der aber in eine Rauferei mit den Jungs geriet und solche Angst vor der Strafe hatte, dass er in den ersten Bus stieg, die Hälfte von Nepal durchfuhr und zu einem Bahnhof kam. Eine Flucht von Zuhause ist in diesem Land wahrscheinlich nichts außergewöhnliches, was die Aufmerksamkeit der Polizei wecken sollte. Und so putze der Junge die Busse und überlebte, wie er konnte, drei lange Jahre. Dann meldete er sich bei seiner Familie, aber in die Schule kam er nie wieder. Stattdessen fing er an den neu erworbenen Lohn abzugeben.
Wie hängt Dipaks Geschichte mit Hug the World zusammen? Wir trafen ihn zufällig im Bus auf einem Ausflug mit den Kindern und kamen ins Gespräch. Sanjay erwies sich nach einem Monat mit der tschechischen Englischlehrerin als genug qualifizierter Dolmetscher, und so sind aus uns Freunde geworden. Dipak kennt auswendig Entfernungen zwischen vielleicht allen nepalesischen Städten und über der Landkarte kann er Stunden verbringen. Ohne eine Belohnung zu erwarten führte er uns durch das heimatliche Pokhara und in Káthmándú half er für die Kinder das Zimmer einzurichten. Er kaufte die Möbel, legte den Teppich, besorgte Lehrbücher und Uniformen. Für die Arbeit zahlten wir ihm 40 Euro und kauften ihm ein Handy. Jetzt besucht er Englisch- und Computerkurs an der Schule BLABLA in Káthmándú.

